
Charta für ein Zentrum
für verbindende Kommunikation
DIE XXL-Version
mit Hintergründen und Anmerkungen
Die vorliegende Charta bezieht sich auf die Ausrichtung und Organisation eines Seminarhauses. Sie entstand aus einem Konzept für das weitere Wirken des Samagama e.V., der sich neu aufstellen wollte. Begonnen hat es mit einem Treffen der ehemaligen Pauenhof e.V. Mitglieder im Winter 2023. Die Mitglieder:innen suchten nach neuen Wegen der Vereinsarbeit. Bisher konzentrierte sich alles auf die Organisation der externen Kurse und Retreats und die Versorgung im Haus. Für die Entwicklung eines eigenen Vereinsprofils blieb nicht die Zeit. Nachdem Anfang 2024 feststand, dass der Seminarort Pauenhof zukünftig nicht mehr zur Verfügung steht, entstand die Idee, ein eigenes Seminarhaus zu erwerben. Aus den Inhalten des neuen Samagama-Vereinskonzepts und der Satzung entstand die jetzige Charta. Das geplante Seminarhaus versteht sich als selbstständiger gemeinnütziger Anbieter für buddhistisch orientierte Gruppen, welche dort Retreats oder Kurse veranstalten möchten. Zusätzlich bietet es dem Samagama e.V. die Möglichkeit, dort eigene Veranstaltungen anzubieten.
Vision
1. Auf Grundlage von buddhistischen Werten schaffen wir einen Raum für verbindende Kommunikation.
– In öffentlichen Foren zeigt sich zunehmende Polarisierung. Verbindende Kommunikation baut auf gegenseitiger Wertschätzung und Bereitschaft zum Perspektivwechsel auf. In der buddhistischen Philosophie wurden bereits in den Anfängen Gedanken zu ethischem Reden, Handeln und Verhalten als Teil der Praxis formuliert. Eine Aufschlüsselung der Begriffe findet Ihr unter buddhistische Werte der Charta.
2. Wir bieten einen offenen Ort für achtsame Begegnung und persönliche Entwicklung.
– Zur Umsetzung von heilsamer Lebenspraxis bedarf es geschützter Räume, in denen sich die individuelle Praxis entwickeln kann. In diesen Räumen können geistige und körperliche Achtsamkeit erfahren und geübt werden. Letztendlich gilt es jedoch, diese Räume nicht als Rückzuginsel zu kultivieren, sondern das Erfahrene in das persönliche Umfeld zu übertragen.
3. Wir unterstützen uns darin, eine heilsame Lebenspraxis zu kultivieren.
– Lebenspraxis heißt neben dem persönlichen Teil der Arbeit, sich gegenseitig zu unterstützen. Perspektivwechsel, Innenschau und neue Innovationen können in einer Gruppe angeregt und gestärkt werden. Der Erfahrungsaustausch wird so zum Teil der Entwicklung. Der Begriff heilsam bezieht sich hier auf das Erkennen und Lindern eigenen und fremden Leids, er ist nicht im therapeutischen Sinne zu verstehen.
Motivation
1. Aufgrund des Wissens und der Gestaltungsmöglichkeiten empfinden wir als Menschen eine Verantwortung gegenüber uns selbst, unseren Mitmenschen und mit uns lebenden Wesen. Unser Denken und Handeln hat unmittelbaren Einfluss auf alle Wesen und lässt sich nicht nur auf unsere eigenen Bedürfnisse reduzieren.
– Wir haben die Möglichkeit zu gestalten und zu verändern, jeder in seinem Umfeld, mit seinen Möglichkeiten. Es steht jedem frei dies zu nutzen oder zu lassen. Die Betonung in der obigen Aussage liegt auf „Verantwortung gegenüber uns selbst, unseren Mitmenschen und mit uns lebenden Wesen“. Dass mit uns lebende Wesen, sprich Tiere ebenfalls hoch sensibel und leiderfahrend sind und dass sie nicht nur zum Lebensmittel deklariert werden, liegt auch in unserer Verantwortung.
2. Als einen Ansatz zur Analyse der Ursachen und deren Wirkungen nutzen wir die Methoden der buddhistischen Praxis. Wir laden unsere Gäste ein, diese selbst auszuprobieren, ihre Wirksamkeit für sich zu überprüfen und in den Alltag zu integrieren. Die buddhistische Praxis ist nicht an religiöse, kulturelle, politische oder gesellschaftliche Ansichten gebunden.
– Im Laufe der Jahrhunderte haben sich unterschiedlichste buddhistische Praktiken, je nach kulturellem Hintergrund und gesellschaftlicher Lebensform entwickelt. Praktiken, welche sich in Tälern, Wäldern, als Einsiedelei, in Klöstern oder im Gebirge entwickelten, haben verschiedene Lebensumstände aufgegriffen und integriert. Um für sich die geeignete Form der buddhistischen Praxis zu finden, ist es hilfreich das Entstehungsumfeld und die damit verbundene Lehrpraxis im Auge zu behalten. Eine Möglichkeit, sich unabhängig von kulturellen Einflüssen auf die Substanz der buddhistischen Lehre zu konzentrieren, verfolgt der säkulare Ansatz, der in der westlichen Kultur entstanden ist und bereits teilweise in Bildungsinstitutionen Einzug erhalten hat.
3. Einen weiteren Schlüssel zu positiver Veränderung sehen wir in der Entwicklung einer Kultur der friedlichen Koexistenz unterschiedlicher Meinungen. In unseren Veranstaltungen und unserer Gemeinschaft lenken wir den Blick auf die Achtsamkeit und Wertschätzung unserer Handlungen und richten die Aufmerksamkeit auf die oft verborgenen Gemeinsamkeiten unserer Motivationen.
– Die Akzeptanz unterschiedlicher Meinungen ist ein wesentliches Merkmal der buddhistischen Lehre. Begründet durch die Erkenntnis, dass alles ständig in Veränderung ist, nichts dem Stillstand unterliegt und alles im Werden und Vergehen ist, kann es keinen Platz für Dogmen und ewige Wahrheiten geben. Es gilt daher der Versuch, sich auf die Gemeinsamkeiten im Zusammenleben zu konzentrieren und sich darin zu unterstützen. Wodurch werden unsere Emotionen und Gedanken initiiert und wie gehen wir in achtsamer Betrachtungsweise damit um?
Zielgruppe
Wir heißen alle interessierten Menschen willkommen, die die Zukunft aktiv mitgestalten wollen.
Ein großer Teil unseres Angebots fokussiert sich daher auf
- Veranstaltungen, die konkret zwischenmenschliche Probleme und deren Lösungsansätze ansprechen.
– Welche Konditionierungen beeinflussen mein Handeln und mein Denken, welche sind hilfreich und welche sind hinderlich in meiner Entwicklung und Kommunikation mit meinen Mitmenschen? - Programme zur langfristigen Projektarbeit im Rahmen der Ausbildung (z.B. Hochschulpartnerschaften), ggf. mit Mitarbeit vor Ort, die gesellschaftliche Entwicklungen thematisieren.
– Es gibt vereinzelte Versuche, buddhistisches Wissen mit neuen pädagogischen Erkenntnissen zu kombinieren. MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction), Joga, sowie Achtsamkeitstraining im Rahmen einer Ausbildung können Lehrinhalte ergänzen und zu einem erweiterten Berufsverständnis führen. - Eine Ausrichtung des Zentrums mit kostengünstiger Übernachtungs-, Verpflegungs- und Veranstaltungs-Struktur.
– Ein kostengünstiges Angebot erfordert eine entsprechende Gegenfinanzierung mit Spenden oder kommerziellen Veranstaltungen. Ein Balanceakt in der Planung und eine eventuelle Förderung durch öffentliche Mittel könnten diesen Wunsch einlösen. - Den begleitenden Aufbau einer aktiven Gemeinschaft, mit der wir einen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung leisten können.
– Ein Netzwerk mit Unterstützern, ehrenamtlichen Mitarbeitern und gemeinnützigen Einrichtungen kann sich über die Jahre zu einem Sprachrohr für eine heilsame gesellschaftliche Ausrichtung entwickeln.
Ort
Zentrum unserer Aktivitäten ist ein Seminarhaus mit Räumen für persönliches Innehalten, praktische Übungen, Arbeitsstudien, Diskussionsforen und buddhistische Meditation. Der Ort ist offen gestaltet, lädt zum Verweilen, Meditieren und zum Austausch ein. Das Haus steht für angemeldete Gäste offen, erlaubt ihnen freie Bewegung und inspiriert durch die Vielfältigkeit der Angebote.
Organisation & Finanzierung
Als rechtliche Organisationsform ist eine Genossenschaft (wirtschaftliche Interessen, Immobilienfinanzierung, Übernachtungs- und Verpflegungsangebot u.a.) angedacht. Der gesamte Betrieb muss kostendeckend arbeiten.
Der Betrieb des Zentrums wird durch ein festes Team vor Ort übernommen. In der Tradition buddhistischer Seminarhäuser werden die Veranstaltungsteilnehmer um Mitarbeit in Haus und Garten gebeten. Wir möchten damit die Gemeinschaft fördern und die Kosten niedrig halten.
Ein Teil des Kapitals zum Erwerb der Immobilie soll mit Krediten und Spenden von mit der Vision verbundenen Personen und Institutionen finanziert werden. Fehlende Mittel werden über Bankkredite finanziert.
Programm
Das Seminarhaus entwickelt ein Veranstaltungsprogramm im Sinne unserer Vision. Dieses wird sowohl von internen als auch von externen Lehrenden durchgeführt.
Basis des Programms sind die buddhistischen Werte und Methoden, das Erkennen eines vorhandenen Potenzials für eine heilsame persönliche Entwicklung und die Vertiefung der Verbindung zu Mitmenschen und anderen Lebewesen.
Die Inhalte der eigenen Veranstaltungen orientieren sich an buddhistischen Lehren, insbesondere der Persönlichkeitsentwicklung mit Hilfe von Achtsamkeit. Sie sind durch Offenheit gekennzeichnet, fördern Begegnung und Austausch sowie eine langfristige Verbindung von Teilnehmenden, Lehrenden und Organisierenden mit dem Haus.
Über die Zeit entwickeln wir Seminare, Retreats und Veranstaltungen mit aktuellen ethischen, kulturellen oder gesellschaftlichen Themen unserer Zeit.
Neben eigenen Veranstaltungsformaten bieten wir externen Lehrenden mit entsprechender Ausrichtung, die bereits eigene Gruppen haben, einen Ort für ihre Veranstaltungen.
Online- und Hybrid-Veranstaltungen ermöglichen es Teilnehmenden, sich auch von entfernt liegenden Orten durch und mit der Praxis zu verbinden.
